Samstag, 25. Februar 2012Mond inmitten von Merkur, Venus und Jupiter am Abendhimmel
Eine bemerkenswerte Konstellation war heute abend am Dämmerungshimmel zu sehen. Auf den ersten Blick fiel die enge Begegnung von Venus mit der schmalen Mondsichel und dem aschgrauen Mondlicht auf. Darüber leuchtete Jupiter und bei sehr genauem Hinsehen war tief am Westhorizont auch Merkur erkennbar.
Sonntag, 29. Januar 2012Milchstraße(n) und Zodiakallicht(er) über der Caldera de Taburiente, La Palma.
Die Winternächte im Januar und Februar bieten auf La Palma zwei Höhepunkte für die Deep-Sky-Fotografie mit kurzen Brennweiten: die Wintermilchstraße in der ersten Nachthälfte und der Aufgang der Sommermilchstraße am Morgenhimmel. Beide kombinieren sich zudem in reizvollen Konstellationen mit den verschiedenen Abschnitten des Zodiakallichts. So machte ich mich in der Nacht 28./29. Januar 2012 daran, diese Motive zu beobachten und zu fotografieren. Der zunehmende Mond unterstützte die Fotos in den Abendstunden, indem er die Landschaft und Wolken von oben beleuchtet (leider erhellt er auch den Himmelshintergrund - trotz klarer und trockener Luft).
In den unteren Lagen des Inselwestens hatte es den ganzen Nachmittag geregnet - ein selbst im Januar nicht häufiges Ereignis. Bei der Auffahrt zum Observatoriumsgelände und Kraterrand über die steilen Bergstraßen war Vorsicht nötig - die Luft war frostig und dies führte stellenweise zu Glatteis. Oben angekommen, war die Luft zwar ebenso kalt - aber trocken. So ließ sich selbst ein leichter Wind gut ertragen. Erstes Ziel war der Kraterrand der Caldera de Taburiente. Hier ermöglicht der Mirador de los Andenes (Aussichtspunkt) einen spektakulären Blick über die Caldera und tiefere Lagen im Norden und Süden. Die Kombination von winterlicher Milchstraße, Wolken und Mondlicht schuf einmalige Anblicke. Die Wolken füllten die Caldera mal ganz aus, mal lösten sie sich teilweise wieder auf. Von unten durch die Ortschaften um Los Llanos, und von oben durch den Mond beleuchtet, veränderten sie das Aussehen der Landschaft kontinuierlich. Die für mich ungewohnten Sterne unterhalb des Sternbilds Großer Hund gehören zu Puppis ("Achterschiff"), dessen Hauptstern Canopus dem hellen Sirus in seiner Helligkeit Konkurrenz zu machen scheint. Das Mondlicht erhellte auch die Wolken im Norden der Insel. Und auch hier leuchteten die Ortschaften die Wolkenschicht von unten an - darüber war der Himmel ganz klar. Interessant im Vergleicht zu Mitteleuropa ist der tief stehende Polarstern. Sternbilder wie Kassiopeia oder der Große Wagen gehen auf La Palma auf und unter - bei uns sind sie hingegen zirkumpolar. Nach dem Monduntergang konnte die "richtige" Fotografie von Deep-Sky-Objekten beginnen. Besonders interessant ist auf La Palma die Beobachtung großflächiger und kontrastschwacher Objekte, die anderswo von der Lichtverschmutzung überstrahlt werden. Neben der Fotografie von Dunkelnebeln widmete ich mich deshalb auch dem Zodiakallicht. In Mitteleuropa vielen unbekannt, ist es in südlicheren Breiten unverkennbar. Helle Kegel erhellen den Westhimmel nach bzw. den Osthimmel vor Sonnenaufgang - sie bestehen aus gestreutem Sonnenlicht in der Ebene des Tierkreises. Viel lichtschwächer, aber dennoch fotografisch gut dokumentierbar, ist der Zodiakalbogen. Dieser umspannt als diffuser Bogen den gesamten Tierkreis. Genau gegenüber der Sonne befindet sich der Gegenschein. Um Mitternacht Ortszeit passiert er den Meridian. Die Fischaugen-Aufnahme zeigt diesen Zeitpunkt, zu dem sich Milchstraße und Zodiakalbogen fast zu kreuzen scheinen. Der Gegenschein ist jedoch durch die Nähe zur Milchstraße noch nicht eindeutig erkennbar, obwohl sich im Zenit eine diffuse hellere Zone erkennen lässt. Besser abgegrenzt kann man den Gegenschein besser im Herbst oder Frühling aufnehmen wenn er fernab der Milchstraße steht. Interessant sind die Helligkeitsunterschiede: der Zodiakalbogen ist selbst im Vergleich zur nicht sehr hellen Wintermilchstraße deutlich schwächer. Dies erklärt, warum er visuell für mich gar nicht erkennbar war. Das Ende der Nacht hielt dann mehrere Besonderheiten bereit. Zunächst kulminierte ca. 2 Stunden vor Sonnenaufgang das Kreuz des Südens. Theoretisch sollte es zwar auf den Kanaren nicht vollständig sichtbar sein, doch sorgen Refraktion in der Atmosphäre und der hohe Standort am Kraterrand dafür dass das markante Sternbild in der Praxis doch kurzzeitig komplett am Himmel erscheint. Hohe Wolken ganz in Horizontnähe verhinderten diesmal leider diesen Anblick - es war nur der nördliche Stern Gamma des Kreuzes über dem Wolkenband sichtbar. Gleichzeitig ging im Osten die Sommermilchstraße auf. Durch die geringe Distanz zur Dämmerung war es spannend, ob und wie gut man die Milchstraße so horizontnah überhaupt würde sehen können. Das Ergebnis übertraf meine Erwartungen: selbst direkt am Horizont erschien die Milchstraße in den Sternbildern Schwan bis Skorpion und Schütze kontrastreich und hell, und kombinierte mit dem hellen Kegel des Zodiakallichts im Osten und mit dem Wolkenfall über dem Rand der Caldera zu einem unvergesslichen Anblick. Eine Aufnahmeserie mit einem 180°-Fischaugenobjektiv repräsentiert jeweils den gesamten Himmel. Innerhalb von nur 10 Minuten zeigen die Fotos zuerst wenig, dann deutlich erkennbare Dämmerung. Milchstraße und Zodiakallicht verblassten bei zunehmender Dämmerung, blieben bis ca. 1 Stunde vor Sonnenaufgang jedoch gut sichtbar. Wenig später endete eine sehr eindrucksvolle Beobachtungsnacht in den größten Höhen La Palmas, und die Sonne ging unweit des Teide (Teneriffa) auf. Donnerstag, 26. Januar 2012Mond und Venus gemeinsam am Abendhimmel
Für den zweiten Abend der Konstellation von Venus und Mondsichel hatte ich die höchste Gegend La Palmas als Beobachtungsort gewählt: das Observatorium am Roque de los Muchachos. Das Areal bietet nicht nur einen tollen Beobachtungsort über der Passatwolkenschicht, sondern auch eine 360°-Rundumsicht. Je nachdem wo man sich befindet, schaut man in einigen Himmelsrichtungen sogar unter den Horizont und auf das Meer. Nach der Beobachtung des Sonnenuntergangs am Teide (Teneriffa) an der Ostseite der Caldera wechselte ich daher zur Westseite. Unterwegs gab es einen wunderbaren Blick auf die wolkengefüllte Caldera, darüber standen Venus und Mond über dem Roque de los Muchachos. Am Beobachtungsplatz nahe des Observatoriums reichte der Blick nun im Westen bis auf den Ozean hinaus. Schon eine Stunde nach Sonnenuntergang waren Milchstraße und Zodiakallicht gut zu erkennen. Im Zodiakallichtkegel standen Venus und Mond, darüber Jupiter. Unter dem Horizont, auf dem Atlantik, spiegelte sich das Mondlicht.
Besonders gespannt war ich auf den Untergang von Venus und Mond. Würde die Venus bis zum Eintauchen ins Meer erkennbar bleiben? Würde das aschgraue Mondlicht noch sichtbar sein, wenn die Sichel des Mondes schon untergegangen ist? Je tiefer die Konstellation sank, desto mehr lösten sich die Wolken über dem Meer auf. Es blieben nur wenige, kleine Wolkenbänke übrig. Lediglich an der Küste trieben einige dichte Wolken entlang und wurden von den kleinen Ortschaften von unten angeleuchtet. Zuerst ging die Venus unter. Sie verschwand weit unter dem mathematischen Horizont und tauchte in eine der kleinen Wolken über dem Meer ein. Der Mond folgte einige Minuten später. Es schien, als ob die Mondsichel wie ein Boot auf dem Ozean schwimmen würde. Als der größte Teil der Mondsichel schon untergegangen war, blieben noch die Sichelspitzen und der aschgraue Teil des Mondes sichtbar. Mit dem bloßen Auge war dies nur schwach erkennbar, deutlich besser jedoch mit dem Fernglas. Mittwoch, 25. Januar 2012Venus und Mondsichel im abendlichen ZodiakallichtDienstag, 3. Januar 2012Halbmond "in Farbe"
Der hoch am Himmel stehende Januarmond wird zum Vollmond auch als "Wolfsmond" bezeichnet. Bis dahin dauert es noch einige Tage, doch auch heute abend strahlte der zunehmende, etwas mehr als halbe Mond hoch am klaren Himmel. Neben dem Mond leuchtete der helle Jupiter. Die Fotos am Refraktor dokumentieren das gute Seeing, das auf meiner "Balkonsternwarte" herrschte.
Aufschlussreich ist der Vergleich des Mondfotos mit den üblichen Einstellungen der Bildverarbeitung (links) mit einer stark farbverstärkten Version (rechts). Dabei wird sichtbar, dass der Mondboden nicht einförmig grau ist. Vielmehr weist das Gestein bräunliche und bläuliche Töne auf, die wissenschaftlich mit unterschiedlichen Metallgehalten erklärt werden. Besonders ausgeprägt ist der Farbunterschied zwischen Mare Tranqullitatis und Mare Serenitatis (letzteres braun mit bläulichem Ring, der aus dem Mare Tranqullitatis herausgelaufen zu sein scheint). Samstag, 10. Dezember 2011Mondfinsternis am 3. AdventssamstagSamstag, 3. September 2011Sommermilchstraße und Komet Garrad
Die klare Nacht vom 3. zum 4. September konnte ich zur Astrofotografie auf der Hohen Wand nutzen. Nachdem der Mond untergegangen war, zeigte sich ein transparenter und für die moderate Entfernung zu Wien auch schon sehr dunkler Himmel. Insbesondere Zenit und Südwesthimmel waren von Lichtverschmutzung fast unbeeinflusst. Dies zeigt eindrucksvoll die Aufnahme der Milchstraße im Schwan mit 35mm Brennweite. Star des Abends war jedoch der Feldstecherkomet C/2009 P1 (Garradd), der nahe beim offenen Sternhaufen Collinder 399 ("Kleiderbügelhaufen") im Sternbild Füchslein stand. Im Fernglas waren Koma und Schweif gut erkennbar, und die Konstellation mit der Sternfigur des umgedrehten Kleiderbügels inmitten der Milchstraße mit ihren Stern- und Dunkelwolken war beeindruckend.
Sonntag, 21. August 2011Sterne über dem Lunzer Obersee
Der Obersee liegt in den niederösterreichischen Kalk-Voralpen und ist der höchste der drei Lunzer Seen. Aufgrund seiner malerischen Lage in einem Kessel nördlich des Dürrensteins wollte ich den Obersee schon länger in einer klaren Sommernacht fotografieren. Am 20. August war es soweit. Die Wolken einer kleinen Regenfront waren abgezogen und der Himmel war am Nachmittag aufgeklart. Nach vier Stunden Anreise von Wien (über St. Pölten und Scheibbs nach Lunz) und dreistündigem Aufstieg über den Seerundweg in Lunz und den Forstweg im Seetal lag der Obersee vor mir.
Der Sonnenuntergang fand am See fast zwei Stunden eher statt als am Gipfel des Dürrensteins. Rot leuchteten die schroffen Kalksteine weit über dem See im letzten Sonnenlicht. Danach dauerte es nicht lange bis die ersten Sterne am Himmel aufleuchteten und langsam die Nacht begann. Kontrastreich zog sich die Milchstraße über das Firmament. Ganz ungestört von menschlicher "Lichtverschmutzung" zeigte sich ein eindrucksvoll dunkler Landhimmel. Kurz nach 22 Uhr zog hell im Norden die Internationale Raumstation ISS entlang und zog mehr als vier Minuten die Aufmerksamkeit auf sich. Aufgrund der Windstille in der geschützten Kessellage spiegelten sich sogar die Sterne in der Seeoberfläche - ganze Sternbilder waren in diesem Spiegel erkennbar. Gegen 22.30 Uhr bereits vollzog sich eine deutliche Veränderung: der abnehmende, etwa halbe Mond war hinter den umliegenden Bergen aufgegangen. Obwohl sein Licht den Boden des Seekessels erst mehrere Stunden später erreichte, so erhellte er doch deutlich den Himmel und leuchtete den Gipfel des Dürrensteins an. Im Laufe der Nacht erhellte der höher steigende Mond die Landschaft immer mehr. Nicht weit von ihm entfernt zog der hell strahlende Jupiter voraus. So ergaben sich bis zum Beginn der Dämmerung um 4 Uhr wunderbare Anblicke des mondbeschienenen und etwas von Nebel verhangenen Obersees unter dem Sternenzelt. Auch mit dem Verblassen der Sterne am heller werdenden Dämmerungshimmel bestimmte die Konstellation aus Mond und Jupiter bis zum Sonnenaufgang den Himmelsanblick. Mit den ersten Sonnenstrahlen am Dürrenstein-Gipfel verabschiedete sich die Nacht dann endgültig und räumte einem sonnig-heißen Tag das Feld. Der "Abstieg" war zunächst ein Rundweg am südlichen Seeufer und dann ein Aufstieg auf dem Forstweg bis zum Grünloch. An diesem heißen Augusttag war diese große Doline sicher nicht der Kältepol Mitteleuropas. Aber anhand des spärlichen Bewuchses am Boden des Kessels konnte ich mir gut vorstellen dass sich hier im Winter Kaltluftseen bis unter -50°C bilden, die jeglichen Baumwuchs unterdrücken. Vom Rand des Grünlochs führte dann der markierte Wanderweg durch die steilen, erodierten Kalkhänge des Naturschutzgebiet Lechnergraben hinunter ins Ybbstal zum Ziel der Wanderung. Mittwoch, 3. August 2011Komet C/2009 P1 (Garradd) beim Kugelsternhaufen M15Mittwoch, 15. Juni 2011Roter Mond in der Milchstraße: die totale Mondfinsternis vom 15. Juni 2011
Die Vorbereitung und Beobachtungsplanung
Am 15. Juni war es soweit: der Abendhimmel sollte eines der besonderen Himmelsschauspiele bieten: eine totale Mondfinsternis. Derartige Finsternisse gehören zu den seltenen astronomischen Ereignissen. Die letzte in Mitteleuropa sichtbare totale Mondfinsternis hatte im Februar 2008 stattgefunden. Obwohl ich schon einige Verfinsterungen des Mondes erlebt habe, freue ich mich auf jedes dieser Ereignisse von neuem - schließlich vollzieht sich eine Mondfinsternis über mehrere Stunden hinweg und bietet somit Gelegenheit zum entspannten Betrachten und Beobachten. Zudem ist jede Finsternis anders und hat ihre ganz besonderen Reize. Die Finsternis vom 15. Juni 2011 zeichnete sich durch drei Besonderheiten aus: zunächst durch ihre Länge. Der Mond wanderte diesmal zentral durch den Schatten der Erde, was eine besonders starke Verdunklung des Mondes und eine besonders lang andauernde totale Phase von fast 2 Stunden zur Folge hatte. Zudem fand die Finsternis in Europa am Abendhimmel statt, sodass der aufgehende Mond bereits partiell oder total verfinstert war - je nach Standort (je südöstlicher, desto früher konnte die Finsternis beobachtet werden). Die dritte Besonderheit bestand in der Jahreszeit der Finsternis - zum Sommerbeginn. In diesen Wochen steht der Mond tief am Himmel. Er durchwandert dabei die Sternbilder Skorpion und Schütze - und damit die dichten Wolken der zentralen Milchstraße welche sich in diesen Sternbildern befinden. Somit bot die Mondfinsternis vom 15. Juni 2011 die seltene Gelegenheit, einen besonders dunkel verfinsterten Vollmond inmitten der sommerlichen Milchstraße zu beobachten. Der Standort für die Beobachtung sollte also möglichst frühen Mondaufgang sowie freie Horizontsicht im Südosten bieten und so dunkel wie möglich sein - denn schließlich wird die Milchstraße in unserer lichtverschmutzten Umgebung oft durch das Licht der Städte und Siedlungen überstrahlt. Die Wetterprognose für den Osten Österreichs war günstig: ein kleines Hochdruckgebiet sollte für ein rasches Ende der nachmittäglichen Gewitteraktivität und vielfach klaren Himmel am Abend sorgen. So wählte ich mit dem Hochkar (Niederösterreich) einen Beobachtungsplatz in einer "blauen Zone" der Ostalpen. Dies sind die wenigen Regionen, die auf der Lichtverschmutzungskarte Mitteleuropas den geringsten Einfluss von künstlicher Beleuchtung aufweisen. Die blau eingezeichneten Areale haben einen Anteil künstlichen Lichts von nur ca. 10% bis 30%, gemessen an der natürlichen Himmelshelligkeit. Natürliche Objekte am Sternhimmel können damit nahezu ungestört beobachtet werden.Die Finsternis über dem Hochkar Das Ski- und Wandergebiet des Hochkar wirkte am Nachmittag wie ausgestorben. Keine Wanderer waren mehr unterwegs, so dass ich auf dem schmalen Pfad vom Parkplatz am Schutzhüttenboden bis zum Gipfel ganz allein unterwegs war. Die Ausrüstung bestand aus zwei Kameras und Objektiven, zwei Stativen und elektrischer Nachführung, Proviant und (sehr wichtig) warmer Kleidung. Am Gipfel wählte ich als Beobachtungsplatz die Terrasse des Geischlägerhauses auf 1770m Seehöhe. Hier ist reichlich Platz und es ist eine stabile Aufstellung der Stative möglich. Die Sicht reicht in einem grandiosen Panorama vom Ötscher im Nordosten über Kräuterin im Osten, Hochschwab im Südosten, Gesäuse mit dem markanten Lugauer im Südwesten bis zum nur wenig höher liegenden Hochkargipfel im Westen. Zum Zeitpunkt von Sonnenuntergang und Mondaufgang war fast der gesamte Himmel wolkenfrei. Nur tief am östlichen Horizont standen noch Reste von Schauern, die sich langsam auflösten. Gegen 21:30 Uhr, kurz nach Beginn der Totalität, tauchte der Mond aus diesen Wolken auf. Zu diesem Zeitpunkt war der Dämmerungshimmel noch heller als der östliche (linke) Teil des Mondes, so dass der Mond wie eine fahle, rötliche Sichel wirkte. Nur der westliche Teil, der sich an der Außenseite des irdischen Kernschattens befand, erhielt noch ausreichend Licht um sichtbar zu sein. Durch die fortschreitende Dämmerung dauerte es jedoch nicht lange, bis der Mond als volle, rote Scheibe tief am südöstlichen Himmel stand. Besonders eindrucksvoll war die Färbung des Mondes zur Mitte der Totalität. Karminrot und mit größter Helligkeit am Mondrand stand unser Erdbegleiter genau im Zentrum des Kernschattens. Am tiefblauen Dämmerungshimmel zeichneten sich bereits die helleren Sterne der ab. Prägnant waren die Sterne des Skorpions etwas westlich des Mondes erkennbar. Die zweite Hälfte der Totalität verlief dann in gegensätzlicher Richtung: der Mond wanderte langsam wieder in die Außenbereiche des Kernschattens und wurde an seiner westlichen Seite langsam heller. Er erschien dadurch in einem dunklen Orange. Der Dämmerungshimmel hingegen wurde stetig dunkler und gab immer schwächere Sterne frei. Etwa 30 Minuten vor dem Ende der Totalität wurden die ersten Wolken der Milchstraße sichtbar. Dies war der Anblick, auf den ich mich besonders gefreut hatte: der total verfinsterte Mond inmitten dieser Sternwolken. Wenn bei anderen Mondfinsternissen einige wenige Sterne während der Totalität am Mond stehen, und teilweise von ihm bedeckt werden, so war deren Anzahl diesmal nicht zu zählen. Der optisch eindrucksvollste Zeitraum waren die Minuten vor dem Ende der Totalität gegen 23 Uhr. Der Himmel war fast ganz dunkel und das Band der sommerlichen Milchstraße zog sich kontrastreich und detailliert über den Osthimmel bis in den Süden. Mitten darin leuchtete orange der gerade noch total verfinsterte Mond. Danach folgte die einstündige partielle Phase, in welcher der Mond den Kernschatten verließ. Am Sternhimmel war dadurch quasi eine halbe Lunation in Zeitraffer zu verfolgen: der wachsende Einfluss der voller werdenden Mondsichel auf die Sichtbarkeit der schwachen Sterne wurde demonstriert. Bis zur Mitte der partiellen Phase war die Milchstraße im Osten noch gut erkennbar, danach wurde sie vom Mondlicht immer mehr überstrahlt. Kurz nach Mitternacht war es dann soweit: die partielle Phase der Finsternis hatte geendet und der Vollmond wurde nur noch (kaum merklich) durch den Halbschatten der Erde abgedunkelt. Nun war es Zeit zum Abstieg und zu einem frohen Fazit: "Es war ein unvergesslicher Beobachtungsabend mit rotem Mond inmitten der Milchstraße."
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